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Ederer-Tausender?
Ja – aber bei den Kündigungen! Nach Abbau von 400 „LeiharbeiterInnen” jetzt
weitere 853 Kündigungen!
„Mit
der SPÖ um Arbeitsplätze kämpfen”- ja, Herr Faymann, das müssen wir und das tun
wir. Denn immerhin ist es die Spitzen-Sozialdemokratin Brigitte Ederer, die
jetzt bei Siemens Österreich die Sensenfrau im Dienst von Kapital und
Shareholder-Value spielt.
Einen Tausender mehr für jeden Haushalt, wenn Österreich der EU der Konzerne
und Banken beitritt, versprach Gitti Ederer. Ein Tausender an Beschäftigten
weniger bei den Angestellten von Siemens Österreich – das ist der wirkliche
„Ederer-Tausender”.
Immer,
wenn Konzerne Existenzen von ArbeiterInnen und Angestellten vernichten, sind
Gründe, die außerhalb des Konzerns liegen, schuld: Die Auftragslage ist
schlecht, die Konkurrenz rücksichtslos, die Gewerkschaft bei den
Lohnforderungen maßlos oder einfach alles nur vorübergehend und gar nicht bös‘
gemeint... bis die Krise vorbei ist halt, oder neue Subventionen kommen.
Lassen wir die Zahlen sprechen: Siemens Österreich konnte im Vorjahr den Umsatz
um 10,7 % deutlich auf 2,8 Mrd. EUR steigern. Das Betriebsergebnis stieg um 9,7
% auf 109,3 Millionen EUR, das EGT sogar um 32,2 % auf 254,6 Millionen EUR. Und
da Siemens Österreich auch die „MOEL-Länder” (also ganz Osteuropa und Balkan)
betreut, lohnt sich der Blick über die Grenzen: Auch dort konnten insgesamt
7,62 Mrd. EUR Umsatz erwirtschaftet werden, immerhin 1,4 % mehr als 2007.
An den Geschäftszahlen kanns also wohl nicht liegen, wenn seit Herbst
vergangenen Jahres eine Kündigungsdrohung die andere jagt. Die Konzernführung
in München kündigte damals eine „neue zentrale Struktur im Softwarebereich” an.
Der Sparkurs aus dem Hause Siemens Deutschland kommt wenig überraschend.
Noch immer hallen die internationalen Finanzblätter vom Echo des „neuen”
Siemensskandals wider: Zwischen 2000 und 2006 hatte der Konzern satte 1,3
Milliarden (!!!) EUR aus Schwarzgeldkassen zur Bestechung potenzieller
Auftragsgeber verbraten. Von Russland bis
Um nur ein Beispiel für die Spendierfreudigkeit von Managern unter sich zu
geben: Der 2004 wegen Bestechung zu zwei Jahren (auf Bewährung, versteht sich)
verurteilte Deutsche Siemensmanager Andreas Kley hatte vom Aufsichtsrat für
seine mühevolle Tätigkeit eine Abfindung von 1,7 Millionen Euro erhalten...
Brigitte
Ederer tut alles, um die Konzernlinie auch in Österreich durchzusetzen. Die
Konzernlinie ist klar, sie ist die Richtlinie jedes kapitalistischen Konzerns:
Maximale Profite, minimale Lohnkosten d.h. größtmögliche Ausbeutung der
Arbeitskraft um den Heißhunger der Aktionäre und Manager nach „Shareholder
Value” und Bonifikationen zu stillen.
Siemens Österreich spielt in der österreichischen Wirtschaft und in der
Industriellenvereinigung eine wichtige Rolle. Daher sind
Unternehmensentscheidungen von Siemens weit über die Betriebsgrenzen hinaus von
Bedeutung.
So etwa, als Ederer im März weder „Notkollektivverträge” noch Lohnsenkungen,
also Eingriffe in bestehende Arbeitsverträge, ausschließen wollte. Die
österreichischen ArbeiterInnen wurden Zeugen einer neuen Arbeitsteilung
zwischen sozialdemokratischen Top-FunktionärInnen. Während sich ÖGB-Boss Foglar
ohnehin staats- und wirtschaftstragend bei KV-Verhandlungen nicht gerade durch
überschäumende Kampfeslust auszeichnet und die GewerkschafterInnen eh schon
defensiv in die Verhandlungen schubst, setzt man nun von der anderen Seite des
Spektrums noch eins drauf: Maßhalten, Goschen halten, Krise zahlen, und tschüs.
Als allererstes mussten wie immer die Schwächsten dran glauben: Bis jetzt
wurden rund 400 LeiharbeiterInnen „abgebaut” - 400 Menschen, denen man durch
Prekarisierung, die Aufweichung des Arbeitsrechts, Ausgliederungen,
„Outsourcing”, die Erpressung, sonst gar keinen Job mehr zu bekommen, ohnehin
schon jede Absicherung genommen hat, wurde nun die Existenzgrundlage entzogen. Frau
Ederer – wieviele Kinder und Jugendliche, wieviele Partnerinnen und Partner hängen
an diesen 400 Existenzen? Welche Auswirkungen hat das für diese 400
LeiharbeiterInnen, von denen „sie sich getrennt haben”, wenn auf einmal das
Geld für die Miete nicht reicht? Und Gas und Treibstoff immer teurer werden?
Die Sozialdemokratie, die schon seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts
als ihre beste Rolle die der Krankenpflegerin am Totenbett des Kapitalismus
sieht, übertrifft sich derzeit weltweit in diesem tragikomischen Part. Bis zur
Selbstaufgabe sind sozialdemokratische PolitikerInnen und GewerkschafterInnen
bemüht, das kapitalistische System, das gerade in eine seiner größten Krisen
hineintaumelt, zu stabilisieren. Stabilisieren heißt: Der arbeitenden
Bevölkerung einzureden, dass sie gefälligst die Kosten der Krise tragen solle,
dass sie alle von den Unternehmern geforderten Opfer bringen sollten, um „die
Wirtschaft” zu retten. Denn: „Die Wirtschaft sind wir alle” - oder nicht?
Die 1.125 Dollar-Milliardäre, die es weltweit gibt, halten zusammen ein
Vermögen von rund 4,4 Billionen (!!!) Dollar. Damit besitzen sie etwa vier mal
so viel wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung (etwa 3,3 Milliarden
Menschen) zusammengenommen. Offenbar gibt’s also genug, was man von oben nach
unten umverteilen kann...
Es
ist ein wichtiges Signal, dass die Kolleginnen und Kollegen bei Siemens und SIS
CT die Sozialabbaupläne der Konzernspitze nicht widerstandslos hinnehmen
wollen. Wichtig ist es, allen Spaltungsversuchen, die so sicher wie das Amen im
Gebet kommen werden, entgegenzuwirken: Versuche, einen Teilbereich gegen den
anderen auszuspielen, eine Beschäftigtengruppe als gegenüber einer anderen
privilegiert hinzustellen, müssen verhindert werden. Ebenso wie das Gejammere
über die schlechten Geschäfte gibt es hier nur eine Antwort:
·
Offenlegung der Geschäftsbücher, Prüfung der Bücher
durch ExpertInnen, die sich die ArbeiterInnen und Angestellten selbst aussuchen
müssen!
·
Sofortige Rücknahme der Kündigungen der
„LeiharbeiterInnen” - Schluss mit allen prekären Arbeitsverhältnissen bei
Siemens und anderswo! Wer arbeitet, muss auch alle Rechte eines Arbeitenden
haben! Statt Kurzarbeit und Kündigungen – Aufteilung der Arbeit auf alle Hände
bei vollem Lohnausgleich!
Damit
ein Arbeitskampf erfolgreich geführt werden kann, bedarf es der Solidarität.
Das kann aber nicht die „Solidarität” einer Handvoll Gewerkschaftsfunktionäre
sein, die im kritischen Augenblick sofort umfallen, wenn der
Wirtschaftsminister böse schaut.
·
Informiert durch eigene Flugblätter, Homepages, Mails,
SMS KollegInnen in anderen Betrieben! Wendet euch direkt an andere
ArbeiterInnen und Arbeiter – sie wollen keine trockenen
Gewerkschaftsaussendungen lesen sondern wissen, wie es um euren Kampf wirklich
steht!
·
Bildet eigene Betriebskomitees! Betriebsräte sind
wichtige Organe – aber die staatlichen Gesetze (also Gesetze, die den
herrschenden dienen) schränken ihre Möglichkeiten ein. Handelt also selbst,
diskutiert, wie ihr am besten den Widerstand gegen die Kündigungen organisieren
könnt, wählt Delegierte, die an der Seite eurer Betriebsräte stehen, solange
diese eure Interessen vertreten. Wehrt euch aber auch gegen mögliche
Kompromisse, zu denen ihr nicht befragt worden seid. Es geht um euch, ihr habt
das Recht, über alles im Betrieb Bescheid zu wissen!
Wenn
die Konzernspitze droht, Werke und Standorte zu schließen – und diese
Erpressungsversuche sind nichts Neues!, dann müssen klare Maßnahmen ergriffen
werden. In Frankreich haben Belegschaften von Betrieben in ähnlichen
Situationen begonnen, asoziale Manager in ihren Büros einzusperren, bis diese
mürbe sind. Das sind allerdings Aktionen, die auf Konzernebene schwer
durchführbar sind.
·
Wenn den Kapitalisten, den Aktionären und Managern die
Betriebe zu unrentabel sind – OK, dann müssen eben die ArbeiterInnen und
Angestellten die Betriebe übernehmen und unter ihre Kontrolle stellen, und das
ohne einen Cent Entschädigung für die Ausbeuter (denn die hatten ja ohnehin
lang genug Zugriff auf die astronomischen Gewinne).
Die
heutige Demonstration ist ein erster wichtiger Schritt zur Mobilisierung über
die Werks- und Konzerngrenzen von Siemens hinaus. In diesem Sinne sagen wir:
SOLIDARITÄT
MIT DEN KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN BEI SIEMENS!
IHR KAMPF IST UNSER KAMPF!
GKK, 23. Juni 2009