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Der wiederholte Einsatz von nationalen Plänen zur
„Bankenrettung“ und zur „Konjunkturbelebung“ hindern die kapitalistische Krise
keineswegs daran, sich zu verschärfen. Der Handel zwischen den Ländern ist um
25% geschrumpft. Die Weltproduktion wird zum ersten Mal seit 1945 zurückgehen,
nach Angaben der Weltbank um 1,7% im Jahr 2009. Die Europäische Kommission
prognostiziert einen Rückgang der Produktion in den 27 Mitgliedsländer der
Europäische Union.
Die G20 setzen sich aus den Regierungen der 19
wichtigsten Wirtschaftsmächte , den Vertretern der EU, dem Weltwährungsfonds
IWF, der Weltbank und aus der Welthandelsorganisation WTO zusammen. Als sie sich am 2. April in London trafen,
zeigte die EU ihre Uneinigkeit: der britische Premierminister sowie der
amerikanische Präsident haben sich den Forderungen der deutschen Kanzlerin und
des französischen Präsidenten nach mehr Kontrolle der Finanzdienstleister und
–märkte widersetzt. Man muss dazu sagen, dass London der zweitgrößte Handelsplatz
nach New York ist. Laut der Weltbank haben 17 Länder der G20 seit Beginn der
„Rezession“ protektionistische Maßnahmen eingeführt. Der Präsident der
chinesischen Zentralbank hat die internationale Rolle der amerikanischen Währung
in Frage gestellt.
Diejenigen, die den Reichtum schaffen, sind die
ersten Opfer der Depression. Gestern unterwarf man die ArbeiterInnenklasse schon der
Flexibilisierung, der Verschärfung der Arbeitshetze und der Verschuldung; heute wird sie mit
voller Wucht von der Arbeitslosigkeit getroffen, den Lohn- und
Pensionskürzungen; morgen wird sie die Konsequenzen der staatlichen
Finanzierung von privaten Unternehmen zu tragen haben, sei es durch Steuern oder
durch die Inflation. Die Europäische Kommission sagt die Kündigung von 3,5 Millionen
Beschäftigten für 2009 voraus, um 2010 zu einer Arbeitslosenrate von 9,5% zu
gelangen. Von den Kündigungen sind in erster Linie die verletztlichsten
Schichten des Proletariats betroffen: Unqualifizierte, Alte, Junge, Frauen,
ImmigrantInnen.
Ohne Klassenkampf oder eine sozialistischer
Alternative bietet die Krise den Reaktionären ein hervorragendes Terrain für
die Suche nach Sündenböcken, im speziellen nationale Minderheiten (Roma in
Ungarn und in der tschechischen Republik, Ungarn in der Slowakei) und
ArbeitsmigrantInnen. Am 24. September 2007 versprach der britische
Premierminister auf dem Parteikongress der Labour Party „britische Jobs für
britische Arbeiter“ und griff damit
einen faschistischen Slogan auf, der über Jahrzehnte in vielen Ländern benutzt
wurde. Anstatt die gleichen Rechte für alle zu fordern haben die britischen
Gewerkschaftsfunktionäre das Gift der Zwietracht und der Fremdenfeindlichkeit
gesät. In Spanien drängt die sozialdemokratische PSOE die afrikanischen
MigrantInnen zur Rückkehr. In Frankreich macht die Regierung Sarkozy auf
ImmigrantInnen Jagd, die sie selbst für „illegal“ erklärt hat. In Italien
wendet sich die Regierung Berlusconi sogar gegen BürgerInnen der EU (RumänInnen)…
Anpassung der nationalen Arbeitsgesetze an die jeweils
günstigsten Regeln in Europa! Kündigungsverbot! Arbeitszeitverkürzung bei
vollem Lohnausgleich! Aufteilung der Arbeit auf alle ArbeiterInnen! Freies
Niederlassungs- und Reiserecht für ArbeiterInnen in alle Länder! Gleiche Rechte
für alle ArbeiterInnen!
In jedem Land besinnt sich die herrschende Klasse
wieder der nationalen Mythen und sogar der Religion und versucht die Arbeiter
zu überzeugen, den Gürtel enger zu schnallen und die eigene Bourgeoisie zu
unterstützen; also genau jene, die sie in diese Krise geführt haben.
Die Depression entsteht nicht als Erweiterung der
„Bankenkrise“ auf die „Realwirtschaft“ durch die Verzerrung der
Kreditknappheit, wie es die Medien, die bürgerlichen ÖkonomInnen und die
ReformistInnen eifrig wiederholen. Sie kann nicht durch eine Staatsintervention
zur Konsumsteigerung gelöst werden, wie etwa der Senkung der Zinsen durch die
Zentralbank, der staatlichen Unterstützung von Investitionen oder Konsum durch höhere Budgetdefizite. Im Gegenteil,
die Krise entstand in Folge der Verschuldung insbesonders der amerikanischen
Haushalte und den niedrigen Zinssätzen
der Zentralbanken.
Die Weltkrise resultiert auch nicht aus der fehlenden Moral der Banke - diese ist auch während einer Erholungs- oder
Aufschwungphase um nichts größer. Die Tendenz zur Krise ist in der
kapitalistischen Produktion selbst angelegt, welche auf der Ausbeutung des
Mehrwerts (der nicht bezahlten Arbeit) beruht, also dem Kampf gegen das
Proletariat. Der Konkurrenzkampf zwischen den KapitalistInnen führt zu
Mechanisierung und Automatisierung, was den menschlichen Arbeitsanteil weiter
vermindert. Der Kredit erlaubt es vorübergehend, dem Fall der Profitrate
entgegen zu wirken, indem der Kapitalumlauf erhöht wird (und Schwierigkeiten
bei der Wertschöpfung hinauszuzögern). Aber im Endeffekt erhöht er die Effekte
der Krise, weil die Profite der warenproduzierenden Unternehmen der
Warenproduktion schrumpfen und das Risiko einer Insolvenz in allen Etappen des
Zyklus steigt. Die Finanzblase, die vorher noch zu der Phase der weltweiten
kapitalistischen Expansion beitrug, hat sich in ihr Gegenteil verkehrt. Der
parasitäre Charakter des Finanzkapitalismus, der unbestreitbar ist, ist ein
Anzeichen der Vergreisung des Kapitalismus, seiner imperialistischen Phase.
Kein keynesianischer Scharlatan kann
Spekulation und Kapitalismus voneinander trennen, noch den Kapitalismus
einer Verjüngungskur unterziehen.
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf 1%
gesenkt und verleiht tatsächlich wie an einem Bankschalter an die Banken der
Euro-Zone. Während der Europarat das Scheitern der Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, das Defizit auf 3% des BIP zu
begrenzen, eingestanden hat, gab er bekannt, dass sich die „Konjunkturprogramme“
der EU auf 400 Milliarden Euro belaufen werden. Währenddessen resultiert diese
Summe aus der Addition der nationalen Maßnahmen und nicht aus einem
gemeinsamen, EU-eigenen Plan. Tatsächlich muss man feststellen, dass in Zeiten
der Krise jeder imperialistische Staat seinen nationalen Unternehmen gegen die
ausländische Konkurrenz hilft, seien dies europäische oder nicht. Der französische
Wirtschaftsminister Lagarde erklärte am 30. Januar: „Der Protektionismus könnte in solch einer
Krise ein notwendiges Übel sein“; am 9. Februar sah der Hilfsplan zur Rettung von PSA und Renault
als Vorbedingung der Verlegung der Produktion nach Frankreich vor, was einen
Protest der deutschen Konkurrenz, der Kommission, der tschechischen Republik
sowie der Slowakei zur Folge hatte.
Der Hauptwiderspruch des Kapitalismus liegt also
nicht zwischen der „Realwirtschaft“ und dem „Finanzmarkt“, sondern zwischen der
Ausweitung der Produktivkräfte und den Produktionsverhältnissen, d. h. der ausbeuterischen Beziehung zwischen
Lohnarbeiter und kapitalistischem Unternehmer. Ein Aspekt dieser
Produktionsverhältnisse ist die Bremse, die seit einem Jahrhundert der Rahmen
des Nationalstaats, der ursprünglich einen Fortschritt gegenüber der feudalen
Zerstückelung darstellte, repräsentiert. Die
Antiquiertheit der Nationalstaaten manifestierte sich zuerst in Europa,
der Wiege des Kapitalismus, in Form von zwei interimperialistischen Konflikten,
die zur weltweiten Dominanz der USA führten. Es ist dieser Widerspruch, dem die
Europäische Wirtschaftsunion – EU 1957 ihre Entstehung und ebenso ihre Ohnmacht
verdankt, denn die europäischen Bourgeoisien, deren Bestand durch den wiederholten Verrat an den proletarischen
Revolutionen verlängert wurde, bleiben unfähig, den alten Kontinent zu
vereinen.
So hat der Antagonismus zwischen dem französischen
Imperialismus und seinem deutschen Rivalen, dessen wirtschaftliche
Vormachtstellung auf der Wiedervereinigung (die Frankreich verhindern wollte)
und der Ostöffnung beruht, eine bedauerliche Rolle bei der Explosion
Ex-Jugoslawiens 1991 gespielt und damit zur
Vervielfachung der Grenzen in
einem ohnehin schon zerstückelten Kontinent beigetragen. Die EU scheiterte
bereits mit einer Verfassung, die das
Funktionieren einer Union mit 27 Mitgliedsstaaten gewährleisten und
dennoch die Dominanz Deutschlands und Frankreichs bewahren sollte. Die ökonomische Krise hat
nur die Probleme und Spannungen
verstärkt, die in wechselnder Konstellation zwischen Großbritannien,
Frankreich und Deutschland bestehen.
Die Regierungen der alten europäischen Mächte, die
sich aus bürgerlichen Parteien (Italien, Frankreich), aus ursprünglichen
Arbeiterparteien im Dienste der Bourgeoisie (Großbritannien, Spanien) oder aus
einer Kombination aus beiden (Deutschland, Österreich, Belgien, Holland)
zusammensetzen, waren gestern noch ganz „liberal“, als es um den Abbau von
sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse ging. Die Krise hat sie mit einem
Schlag zu „Keynesianern“ gemacht, fest entschlossen, ihre Banken und natürlich
auch ihre Autoindustrien zu retten. Keine Rede mehr davon, den Markt walten zu
lassen und ineffiziente Unternehmen untergehen zu lassen! Dass es weder eines
Regierungswechsels noch einer Abänderung der politischen Regimes bedurfte
beweist, dass sich die unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Maßnahmen mehr
an der Konjunktur als an ökonomischen Dogmen orientieren.
Die Regierungen Zentral- und Osteuropas,
Verursacher oder Erben der Restauration des Kapitalismus, merken jetzt die
Undankbarkeit der EU-Gründerstaaten, die ihnen Wohlstand und Solidarität
versprachen, wenn sie ihre florierenden Industrien an die kapitalistischen
Oligarchien Westeuropas verkaufen und ihnen die Ausbeutung der günstigeren
Arbeitskraft garantieren würden. Im Gegenteil müssen sie jetzt feststellen,
dass die imperialistischen Herren der EU ihnen jene finanzielle Hilfe
verweigern, die sie so notwendig brauchen würden.
Ungarn, Lettland und Rumänien mussten sich, ebenso
wie Nicht-EU-Mitglieder (Island, Weißrussland, Serbien, Türkei, Ukraine) um
Hilfe an den IWF wenden, eine von den USA 1944 eingerichtete weltweite
Institution. In Ungarn wurden deswegen die Gehälter der Staatsangestellten
gesenkt, in Lettland wurde ein Sparhaushalt angenommen und in Rumänien wurden
die Verhandlungen der Anpassungspläne nicht abgeschlossen.
Enteignung der Banken, der Kredit- und
Investmentgesellschaften! Kontrolle der Produktion, des Transports, der Kredite
und des Handels durch die ArbeiterInnen in Stadt und Land! Pläne für
Großprojekte im kontinentalen Maßstab,
um die Bedürfnisse der Massen zu befriedigen und die Umwelt zu retten!
Unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus
haben die europäischen Staaten, die Atomwaffen besitzen, den Iran bedrohen, an
der Besetzung Afghanistans teilnehmen und zur Bewaffnung Israels beitragen (das
gerade eben gezeigt hat, wozu diese Waffen dienen indem es den Gazastreifen zerstört und zu wiederholtem
Male tausende Palästinenser massakriert hat), allerorts die demokratischen
Freiheiten eingeschränkt.
Unter dem Vorwand, die Sicherheit der Bevölkerung
zu gewährleisten, während sie die Ungleichheit verschärften, einen Teil der
Jugend und des Proletariats von der Produktion ausschließen und diese
Bevölkerungsteile in Ghettos halten, haben alle bürgerlichen Regierungen die
Anzahl der Gefängnisse erhöht und die Mittel zum Ausspionieren, Einschüchtern
und Unterdrücken der Bewegungen der Geknechteten und Ausgebeuteten erhöht. Die
Armee patrouilliert auf vielen öffentlichen Plätzen.
Unter dem Vorwand, den Frieden zu sichern, ist die
Mehrzahl der EU-Mitgliedsstaaten zugleich
Mitglied des Nordatlantikpakts
NATO, einer militärischen Allianz unter amerikanischer Hegemonie, die zur
Unterdrückung jeglichers sozialen Revolution in Westeuropa und zur
Wiederherstellung des Kapitalismus im Osten gegründet worden war. Die
stalinistische Bürokratie, die in der politischen Konterrevolution von 1923 bis
1927 siegreich blieb, vollendete diese Arbeit, indem sie die proletarischen
Erhebungen in Deutschland 1953, in Ungarn und Polen 1956, in China 1967, in der
Tschechoslowakei 1968, in Polen 1971 und 1981, in China 1989, etc.
niederschlug.
Unter dem militärischen Druck des amerikanischen
Imperialismus und der NATO hat sich die Bürokratie der UdSSR auf einen ruinösen
Rüstungswettbewerb eingelassen, denn sie war auf Grund der Usurpierung der politischen Macht und ihrer ökonomischen
Privilegien unfähig, sich auf die revolutionäre Mobilisierung des
gesamteuropäischen Proletariats zu stützen, was der einzige Weg gewesen wäre,
um das kollektive Eigentum im Osten zu erhalten, den Kapitalismus zu überwinden
und so den Sieg des Sozialismus, dessen Auftakt die russische Revolution von
1917 war, sichern hätte können.
Die Restauration des Kapitalismus ab 1990 durch die
stalinistische Bürokratie in Deutschland, Russland, Zentraleuropa und China hat
keineswegs zum Verschwinden der NATO geführt. Diese Organisation diente als
Schirmherr bei den gemeinsamen Interventionen der Imperialismen auf dem Balkan
1995 und 1999 und in Afghanistan 2001. Auch ein offiziell neutrales Land wie
Österreich hat an diesen Operationen der NATO teilgenommen. Am 3. und 4. April
haben Merkel, Sarkozy, Brown, Berlusconi, Zapatero und Konsorten den 50.
Geburtstag der NATO mit Obama gefeiert. Auch wenn sich der Stil verändert haben
mag, verfolgt der neue Präsident, der so große Hoffnungen bei den
reformistischen Dummköpfen geweckt hatte, die selben Interessen wie sein
Vorgänger, nämlich die der amerikanischen Bourgeoisie. Die Spaltung der
europäischen Bourgeoisien untereinander führt zur Unterwerfung unter die USA,
wie der Bestand in der NATO beweist, während sich der wirtschaftlicher Niedergang eben dieser
USA verschärft.
Tatsächlich sind die europäischen Imperialismen
unfähig, ihre Streitkräfte zu vereinen und ihre Ostvasallen gegen den mächtigen
russischen Nachbarn zu beschützen, der seinerseits versucht, seine eigene
Einflusssphäre zu bewahren, wie man an der Invasion in Tschetschenien und dem
militärischen Eingreifen in Georgien sieht. Einige EU-Staaten (Deutschland,
Frankreich, Belgien, Spanien, Luxemburg) haben gegen den Willen der britischen
Regierung ein europäisches Verteidigungskorps (Eurokorps) mit einem Potenzial
von 60.000 Mann geschaffen, und die EU
hat 1999 die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ESVP auf Schiene
gebracht, die die NATO einmal ersetzen soll. Außerdem verweigerten die
deutsche, die französische und die russische Neo-Bourgeoisie der Weltmacht bei
der zweiten Invasion im Irak 2003 die Gefolgschaft (während die
zentraleuropäischen Staaten und Großbritannien mitmachten). Merkel und Sarkozy
widersetzten sich der NATO-Erweiterung mit Georgien und der Ukraine 2008.
Selbstverteidigung der Arbeiterkämpfe und der
Arbeiterorganisationen gegen die Banden des Kapitals! Bruch aller europäischer
Mitgliedsländer mit der NATO, Beseitigung der ESVP! Sofortiger Abzug aller
europäischen Truppen aus dem Irak, Afghanistan, dem Tschad, dem Kosovo, Bosnien
und dem Libanon! Schließung aller französischen und britischen Militärbasen
weltweit, sowie der amerikanischen in Europa! Auflösung der Berufsheere und
Bewaffnung der Massen!
Die Zerstörung des Irak und die Balkankriege sind
ernste Warnungen. Wenn die ArbeiterInnenklassen der USA, der alten europäischen
und japanischen Imperialismen, der neuen Kapitalismen in China und Russland,
die sich zum Imperialismus berufen fühlen, nicht rechtzeitig ihre jeweils
herrschende Klasse stürzt, werden sich die Rivalitäten verschärfen und von
Neuem zu Zusammenstößen zwecks Neuverteilung der Welt führen. Wenn sich
keine fortschrittliche, also
revolutionäre, internationalistische und sozialistische Lösung anbietet, werden
die faschistischen Demagogen wieder Gehör finden und versuchen, die
Arbeiterklasse und all ihre Organisationen auszulöschen. Auch in der
Umweltfrage läuft die Zeit davon. Jede Verlängerung des Bestehens des
Kapitalismus, jener Produktionsweise, die auf Profitmaximierung und der
privaten Aneignung beruht, schädigt unwiederbringlich den Zustand des Planeten
und die Möglichkeit einer blühenden Zukunft für die Menschheit, einer
Gemeinschaft, worin die freie
Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.
Die Wahlen zum Europaparlament finden im Juni in
allen Mitgliedsländern statt. Es sollte für die bewussten Arbeiterinnen und
Arbeiter nicht in Frage kommen, für eine Liste der bürgerlichen Parteien oder
für eine Koalition mit bürgerlichen Parteien zu stimmen.
Die ArbeiterInnen haben bei diesen Wahlen, deren
politische Bedeutung noch beschränkter ist als jene nationaler Wahlen,
bestenfalls die Möglichkeit, sich durch
die Stimmabgabe für KandidatInnen von ArbeiterInnenparteien auszudrücken Zunächst finden sie nur alle fünf Jahre
statt, weiters würde eine wahre Demokratie die Abwählbarkeit der Gewählten
beinhalten. Die bürgerlichen Nationalstaaten schränken die Aufstellung und
Wählbarkeit der Kandidaten „kleiner Listen“ ein. Schließlich und endlich hat
das Europaparlament noch weniger Macht als die nationalen Parlamente, die der bürgerlichen
Klassenherrschaft als Fassade dienen. In der Tat werden die Entscheidungen der
EU vom Europarat und dem Ministerrat getroffen, also durch Übereinkünfte der nationalen Exekutivkräfte
(gemäß der Einstimmigkeit oder der „qualifizierten Mehrheit“).
Diese „Demokratiedefizit“ spiegelt die Unfähigkeit
der herrschenden Klasse, der niedergehenden Bourgeoisie, Europa zu einen. Die
Zwischenklassen der kapitalistischen Gesellschaft, das Kleinbürgertum, ob
traditionell (Bauern, Handwerker, Freiberufler,..) oder lohnabhängig
(Verwaltung), können es ebensowenig, weil die Hauptauseinandersetzungen
zwischen den beiden Hauptklassen der kapitalistischen Gesellschaft geführt
werden. Allein die ausgebeutete Klasse, das Proletariat, das kein Heimatland
hat, ist fähig diese historische Aufgabe in Form der Vereinigten
Sozialistischen Staaten von Europa, dem Übergangsstadium zur Weltrepublik der Räte,
zu lösen.
Jeder Versuch der ArbeiterInnen und der Jugend
Europas, mit der Ausbeutung Schluss zu machen und den alten kapitalistischen,
kolonialen, kriegstreiberischen und reaktionären Plunder auf den Misthaufen zu
befördern, sah sich stets mit der konterrevolutionäre Politik der
Gewerkschaftsbürokratien und der sozialdemokratischen oder stalinistischen
Parteien konfrontiert. Etwa während der revolutionären Welle die zum Ende des
Ersten Weltkrieges führte, während der 30er Jahre, nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges , nach 1968 ...
Die bürgerlichen ArbeiterInnenparteien und die
Gewerkschaftsbürokratie leben mehr und mehr von Unterstützungen durch den
bürgerlichen Staat und immer weniger von den Beiträgen der ArbeiterInnen. Die
alten, reformistischen Apparate, die der herrschenden Klasse bereits so gut
gedient haben (SPD, Labour Party, PS Frankreich, PSOE, SPÖ, PCF, PRC…), und die
neuen, die diese Rolle zu spielen versuchen (Die Linke, NouveauParti
Anticapitaliste, Scottish Ssocialist Party, Respect, Partie de gauche…),
respektieren das kapitalisitsche „Europa“ als Fakt. Nach ihren Ansichten reicht
es, dieses Europa „demokratischer“, „sozialer“ und weniger „liberal“ zu machen.
Alle geben sie vor, den Kapitalismus zu reformieren
indem sie die Finanzmärkte regulieren, die Ressourcen besser verteilen, die
individuelle ökologische Verantwortung einfordern, stärker auf die UNO
vertrauen, die „Einwanderungspolitik“ menschlicher gestalten wollen, etc. In
der Praxis verhandeln die Gewerkschaftsführungen die Unternehmer- und
Regierungspläne, wenden sie an und beteiligen sich an der Führung der
Unternehmen; die zur Regierung aufgestiegenen reformistischen Parteien
verwalten loyal den Kapitalismus; alle opfern sie die zugewanderten Arbeiter,
verhindern den Generalstreik und unterstützen ihre eigene Bourgeoisie. Der
Opportunismus preist die Unterwerfung des Proletariats unter seine Ausbeuter,
unter dem Deckmantel einer Allianz mit diesem oder jenem Flügel der
Bourgeoisie: „nationale“, „industrielle“, „republikanische“, „demokratische“,
antiimperialistische“… Fraktionen.
Das umfasst auch den linken Flügel des Reformismus.
Die degenerierten „TrotzkistInnen“ unterstützen seit langem die „Volksfronten“,
gegen die Trotzki die IV. Internationale gegründet hatte. Während eines
Jahrzehnts haben sie zusammen mit den Überresten des Stalinismus das
Weltsozialforum und das Europäische Sozialforum als eine „antikapitalistische
Bewegung“ hingestellt und bilden darüber hinaus Blocks mit bürgerlichen
Parteien, wenn sie dazu in der Lage sind.
In Italien blieben sie Teil der PRC (eine
Minderheit der stalinistischen Partei, der Ex-PCI) als diese 2006 in die
Regierung der „Unione“ mit der DS (der Mehrheit der alten stalinistischen
Partei) und der bürgerlichen „Margherita“ (aus der christdemokratischen Partei
entstanden).
In Großbritannien haben die SWP und die ISG 2004
Respect gegründet, eine Koalition mit antiamerikanischen Labour Party
Mitgliedern (darunter dem Abgeordneten Galloway), mit Kapitalisten
pakistanischen Ursprungs und Geistlichen (Muslim Association of Britain, Muslim
Council of Britain).
In Frankreich hat sich die LCR vor der Auflösung in
die NPA den „Ökologisten“ geöffnet, hat 2002 für Chirac gestimmt und sich auf
Gemeinschafstlisten der „Linken“ bei den Kommunalwahlen 2008 setzen lassen,
gemeinsam mit bürgerlichen Parteien wie der PRG (entstanden aus der alten
radikalen Partei), der MRC, den Grünen… Ebenfalls in Frankreich, hat Lutte
Ouvrière bei mehreren Gelegenheiten eine Verstärkung der Polizei und gemeinsam
mit der ganzen „Linken“ 2005 die Wiederherstellung der Ordnung in den Vorstädten
gefordert. Weiters hat sich LO seit der ersten Runde der Kommunalwahlen
2008 an mehreren Listen mit der PRG, der
MRC, den Grünen und anderen bürgerlichen Parteien beteiligt. Die PT, später in
POI umgetauft, führte chauvinistische Kampagnen gemeinsam mit der kleinen bürgerlich
nationalistischen Partei MRC und hat sich ebenfalls an den Listen der „Linken“
mit der MRC, der PRG, etc. beteiligt.
Anders ausgedrückt: Der Hauptfeind des Proletariats
steht in seinem eigenen Land. Die ArbeiterInnenklassen muss sich selbst und
alle unterdrückten Schichten (Frauen, Migrantinnen, nationale Minderheiten,
Homosexuelle...) gegen die herrschende Klasse und all ihre Einrichtungen
verteidigen. Die ArbeiterInnen, die Angestellten, die TechnikerInnen … müssen
sich vereinigen und die Arbeitslosen, die halbausgebeuteten Schichten
(Pseudoselbständige, Verwaltungsangestellte), die in Ausbildung befindlichen
Jugendlichen für den Sturz der
Herrschaft der bürgerlichen Minderheit gewinnen, um die politische Macht zu
erringen, die alten Produktionsverhältnisse zu beseitigen, die europäische
Revolution auszuweiten, mit anderen ArbeiterInnenregierungen
zusammenzuarbeiten, die aus sozialistischen Revolutionen in ihren jeweiligen Ländern
hervorgegangen sind, egal, ob diese Teil der EU sind oder nicht (wie die Türkei,
die vom kapitalistischen „Europa“ abgelehnt wird). Die proletarische Revolution
wird auch demokratische Aufgaben lösen, die noch anstehen (Beseitigung der
Monarchien, Säkularisierung, Rechte der nationalen Minderheiten, Emanzipation
der Frau....) und die Entwicklung von Wissenschaft und Technik ermöglichen, um
diese den sozialen Bedürfnissen und dem Schutz der Umwelt anzupassen.
Um das zu erreichen, wird die ArbeiterInnenklasse
die Gewerkschaftsbürokratien zerschlagen und gleichzeitig breitere Kampforgane
aufbauen und zentralisieren müssen, um zur Macht zu gelangen. Das wird aber
noch nicht ausreichen. Die gesamte Erfahrung der ArbeiterInnenbewegung lehrt,
dass die AgentInnen der Bourgeoisie in Doppelmachtorganen in einer Weise
agieren, die diese Organe der herrschenden
Klasse unterordnen und dadurch den bürgerlichen Staat aufrecht erhalten sollen.
Ihr Ziel ist eine Koalition mit der Bourgeoisie, um die Doppelmachtorgane ihres
Inhalts zu berauben und sie schließlich zugunsten des bürgerlichen
Parlamentarismus zu unterdrücken – oder des polizeilichen und militärischen
Terrors.
Seit die kapitalistische Krise begonnen hat, geht
in Europa neuerlich das Gespenst des Kommunismus um. Damit dieses Gespenst real
werden kann, damit die Grenzen fallen, die Klassen verschwinden, bedarf es
einer Partei und einer Internationale. Die fortschrittlichsten Elemente, die
ArbeiterInnen und Jugendlichen, die revoltieren, weil sie die Welt tatsächlich
verändern wollen und heute isoliert, demoralisiert, ohnmächtig, zerstreut in
anarchistischen Zirkeln und pseudotrotzkistischen Organisationen sind, ihre
Zuflucht im Nur-Gewerkschaftlertum genommen haben oder in Sekten, die das Proletariat verachten,
zersplittert sind, müssen sich sammeln, organisieren, um im Feuer des
Klassenkampfs, gestützt auf den Marxismus, eine ArbeiterInnenpartei zu
schaffen, die nach dem Vorbild der bolschewistischen Partei Lenins und Trotzkis
auf dem Boden eines revolutionären und internationalistischen Programms
demokratisch funktioniert.
Unabhängigkeit der ArbeiterInnenklasse, Bruch aller
ArbeiterInnenorganisationen mit der Bourgeoisie! Beseitigung aller bürgerlichen
Regierungen, Errichtung von ArbeiterInnenregierungen! Auflösung der
kapitalistischen Europäischen Union, Abschaffung der Grenzen, Vereinigte
Sozialistische Staaten von Europa!
30. Mai 2009
Groupe
Bolchevik (Frankreich) & Gruppe Klassenkampf (Österreich)